Skaputnik am Skaville-Festival in Kroatien

5.08.12 - Recht kurzfristig wurden wir von Ossi (von Grover-Records) an das Skaville-Festival-Team vermittelt. Die Freude war groß, ein Festival in Kroatien, direkt am Meer, wer will da Nein sagen. Also schnell Urlaub checken, Dienst tauschen, Pässe suchen, und schon konnt's losgehn – für gut die Hälfte der Band schon ein paar Tage früher. Eine kleine Auszeit mit nem Konzert verbinden, das kann nicht schaden! :)

Nach acht Stunden Fahrt sind am Mittwoch die ersten Skaputniks am Skaville-Festivalgelände in der Nähe von Sibenik angekommen. Provisorisch waren Bars und Zelte aufgestellt, und auf der Suche nach den VeranstalterInnen wurde bereits klar, hier ist man relaxt. Wie soll es anders sein, bei diesem Wahnsinnsausblick.

 

Erstmal ankommen, und den Sommerabend ausklingen lassen – ein Stamperl vom kroatischen Begrüßungsschnaps durfte nicht fehlen. Gebeten wurden wir noch, bis 10 Uhr am nächsten Vormittag unsre Autos umzuparken, weil die Bühne kommen würde. Da man aber in Kroatien außergewöhnlich gut schläft, schafften wir das mit dem Aufstehen erst gegen 11 Uhr 30. Das war allerdings auch nicht weiter schlimm, denn weder Bühne noch VeranstalterInnen waren vor Ort. Geschlafen wurde übrigens unter freiem Himmel, kein Problem in dieser lauen Sommernacht. Um dem Kitschberg noch die Krone aufzusetzen: Es war eine Nacht voller Sternschnuppen (ungelogen!).

 

Als die Autos dann verparkt waren und wir erstmals die Temperaturen außerhalb der schattenspendenen Akazien und Pinien zu spüren bekamen, stand schnell fest: wir müssen ins Wasser. So suchten wir einen Weg hinunter zum Meer. Das gesamte Festivalgelände war eine Landzunge, die in den Kanal Luka hineinreicht, d.h. auf allen Seiten Wasser!

 

Das letzte Spitzerl Land war sozusagen der Backstagebereich. Von hier aus führte eigentlich nur ein Weg hinunter. Der war allerdings eng, steil, und wurde bereits als Klo benutzt. Ganz so wild, wie das jetzt klingen mag war's nicht, allerdings forderte diese Strecke doch ihren Tribut: Im Dunklen wurde Petrovs linker Ringzehenkuppe deftig heftig mitgespielt, sie kam nur zur Hälfte davon.

 

Die Mühe hat sich jedenfalls gelohnt, die kleine Plattform mit ihrem Mini-Leuchtturm in Rot hatte für alle was zu bieten: Badespaß inklusive Sprungturm, haufenweise Miesmuscheln im Meer (jedoch leider zu veralgt zum Verkochen), Sommer-Feeling ohne Ende für die Sonnenhungrigen – in so einer Atmosphäre könnten wir uns gut und gerne öfter Mal auf ein Konzert einstimmen!

 

Zu sehen gab's tagsüber Boote in allen Größen, vom kleinen Fischerboot über Luxusyachten bis zum Industrietanker war alles dabei. Da kam bei manchen schon ein großer Gusta, auf ein eigenes Segelboot zum Beispiel. Vielleicht ein wenig Hitze-geschädigt wurden Pläne über eine skaputniksche Flotte geschmiedet :) Eine Tour am Wasser wär jedenfalls schon was ganz Feines!

 

Am Donnerstag selbst erreichte uns allerdings eine in dieser Situation wenig erfreuliche Nachricht:

 

Klausi hatte sich so in den Finger geschnitten, dass er das Saxophon nicht halten konnte. Sebi lag mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett. Und Tomasz würde zu 90% am Freitag nicht früher von der Arbeit wegkommen. Nicht nur ein Plan B wurde geschmiedet, wie denn ein Konzert mit drei Leuten weniger funktionieren könnte…

 

Donnerstag Abend rückte näher und wir beschlossen in See zu stechen, um an Land zu gehen – mit einem Taxi-Boot, wie cool ist das denn!

 

Die Altstadt von Sibenik wurde erkundet, beste Muscheln und Filetsteaks wurden verspeist – kochen können sie in Kroatien! Unkompliziert, wie schon bei der Hinfahrt, brachte uns der Kapitän mit dem Taxi-Boot wieder auf unser Semi-Eiland, wo langsam aber stetig in den steil abfallenden Hängen mehr und mehr Zelte aufgestellt wurden.

 

Doch nicht nur dort, auch am Festivalgelände selbst nahm alles immer mehr Form an, die Bühne war zwar noch nicht zusehen, aber Bars, Dj-Pavillon und Essensstand waren aufgebaut.

 

Am Donnerstag begann ja offiziell das Festival, mit einer Auflegerei. Diesen Job machte Sidjo, der nebenbei auch noch für die Bandbetreuung zuständig war. Er machte seine Sache offensichtlich sehr gut, denn weit und breit (vor dem Pavillon halt) wurde getanzt. Als dann auch noch die Bühne angeliefert wurde, war es ein fast sorgenfreier Abend.

 

Der Aufbau verzögerte sich zwar um in etwa 12 Stunden, dafür stand sie Freitag mittag fix und fertig da, die Bühne.

 

Die Sonne schien (aus Sicht der Sonnenscheuen) immer unbarmherziger, die Temperaturen der Vortage wurden um Dekagrad übertroffen. Mindestens! Wir beneideten also keineswegs das fleißige Team, das zur größten Mittagshitze die Bühne fertig aufbaute. Der hitzefeindliche Teil der bereits Angereisten versuchte jedweden Körperteil mit Schatten zu bedecken, die SonnenanbeterInnen unter uns genossen den frischen Wind am Meer. Der eine oder andre Cocktail wurde geschlürft, Sprungkünste ins Wasser wurden perfektioniert, und die ersten Miesmuschelfangversuche scheiterten! (Die sind auch verflixt schnell, diese Miesmuscheln ;-)

 

Als gegen Mittag dann die Nachricht kam, alle Skaputniks würden zeitig in Kroatien sein…jiiiiihaaa! Die Freude aufs Konzert und aufs Publikum (und natürlich auch auf den Rest der Band) stieg.

 

Nahezu euphorisch wurden die eintrudelnden Skaputniks von den urlaubenden Skaputniks empfangen, auch weitere FreundInnen aus Wels waren mitangereist.

 

Als vierte von sechs Bands waren „Los Fastidios“ gerade dabei, die Bühne zu bespielen – von der man übrigens auch Blick aufs Meer hatte (ein Hammer-Feeling!). Alle neun Skaputniks standen in schwarz gekleidet neben dem Bühnenaufgang und warteten begierig auf das letzte Lied der italienischen Band. Fürs erste konnte uns nicht einmal ein „I have to talk to you. We have a problem!“ von Sidjo aus der Ruhe bringen. Als er uns dann aber mitteilte, er brauche die Pässe für die Polizei, merkten wir dass es doch ein Problem gibt. Sieben von neun Pässen gerieten also in die Obhut der Polizei, los Nitschos und Pjotrek hatten Glück, sie hatten ihre Pässe nicht bei sich. Auch Tami entkam sozusagen der polizeilichen Kontrolle: Ihr Pass wurde postwendend retourniert. Wir staunten eh schon nicht schlecht, aber das: Frauen spielen in keiner Band, so die Meinung der kroatischen BeamtInnen. Sie bräuchten demnach nur die Pässe der Musiker. So zahlt sich Sexismus doch mal aus, nicht?!

 

So weit so gut. Die Bühne war frei, dank eines sehr kompetenten Tonmenschen ging‘s nach einem kurzen Linecheck auch gleich los.

 

Die Stimmung auf der Bühne war ausgezeichnet. Innerhalb der ersten paar Nummern füllte sich der Bereich davor und ein richtig feiner Konzertabend konnte beginnen.

 

Mit Drazen, unserem austro-kroatischen Ersatzsänger, hatten wir auch sprachlich keine Schwierigkeiten und vielleicht sogar einen kleinen Bonus beim Publikum.

 

Schade nämlich, dass unser Zwergen Pepe nicht dabei sein konnte. Wegen einer komplizierten Blutkrankheit (der thrombotisch thrombozytopenischen Purpura, kurz TTP) und weil er dadurch nun schon recht lang im Krankenstand ist, darf er momentan leider nicht ins Ausland und musste schweren Herzens zu Hause bleiben.

 

Nach dem Konzert stand Sidjo bereits neben der Bühne und erklärte uns den Stand der Dinge: Problem sei, dass Skaputnik ohne Arbeitserlaubnis in Kroatien einer Tätigkeit nachginge, sprich illegal in Kroatien arbeitete. Irgendwie komisch, wenn man bedenkt, dass nach Abzug von Maut-, Vignetten- und Benzinkosten von Gewinn, Lohn oder Ähnlichem sowieso keine Rede sein konnte . Naja…wir hatten uns dann beim Polizeiauto einzufinden und einer nach dem anderen erhielt (nach Angabe von dem Vornamen seines Vaters) seinen Reisepass zurück. Die Strafe belief sich auf insgesamt 3000 Kuna, umgerechnet um die 420 Euro. Um das Einreiseverbot, das mit den Strafzetteln verhängt wurde, wieder aufzuheben muss der Veranstalter zusätzlich eine weitere Strafe zahlen.

 

Nennen wir's mal Skaputnik’sches Glück, dass weder die italienischen „Los Fastidios“ noch die ungarische (PASO-SpinOff-)Band „The Mighty Fishers“ belangt wurden.

 

Der restliche Konzertabend wurde genossen. Dabei halfen nicht nur die Cocktails, sondern auch der vegane Sejtan-Kebap, der ausgezeichnet schmeckte. ;-)

 

Alles in allem war‘s ein Wahnsinnswochenende:

 

Riesen Dank an:

  • unsere „Hackler“, die die Psychoanreise plus Konzert souverän gemeistert haben,
  • an Drazen, für sein spontanes Einspringen und des feine Konzert,
  • das Skaville-Organisationsteam, das ganz entspannt so ein geiles Fest auf die Füße stellt,
  • die mitgereiste Welser-Crew,
  • das Ska-liebende Publikum am Festival!!!
  • Ossi von Grover-Records für das Vermitteln von diesem extrafeinen Gig!!

 

Es war der Hammer!!! Den VeranstalterInnen wünschen wir, dass trotz der ausgesprochenen Strafen kein Minus entstanden ist und sie weiterhin dieses Festival organisieren können.



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